BUND fordert Vorrang für die Gewässerökologie der Lahn am Grüner Wehr

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Marburg begrüßt ausdrücklich Maßnahmen zur Herstellung der umfassenden Durchgängigkeit für die Gewässerfauna im Bereich des Grüner Wehr. Die Notwendigkeit eines derartigen Projektes ergibt sich mit zwingenden Fristvorgaben aus der EU-Wasserrahmenrichtlinie. Der BUND erwartet von der Marburger Stadtpolitik ein zielorientiertes Handeln zur Erfüllung dieser gewässerökologischen Ziele. Die Stadt bindet sich damit ein in eine Gesamtverantwortung für die Lahn im Kontext des derzeit in Umsetzung befindlichen EU-LIFE-Projektes "LiLa - Living Lahn" zur ökologischen Aufwertung der Lahn im Abschnitt der Bundeswasserstraße zwischen Gießen und ihrer Mündung in den Rhein.


Der BUND stellt insoweit einen strategischen Handlungszusammenhang her zum derzeit laufenden Wasserrechtsverfahren an der Steinmühle. Hier führt das Regierungspräsidium Gießen ein Verfahren durch zur erneuten Erteilung des Rechts zur Stromerzeugung aus Wasserkraft. In diesem Verfahren ist durch Umbaumaßnahmen am Wehr in Verantwortung des Betreibers eine optimale Durchgängigkeit für die Gewässerfauna herzustellen. Seit Dezember 2016 gelten dafür seitens des Hessischen Umweltministeriums erhöhte Anforderungen an die umfassende Aufklärung gewässerökologischer Sachverhalte und Bemessung des Mindestwasserabfluss im Fischpass. Den Anforderungen aus der geänderten Erlasslage ist auch im Fall Grüner Wehr Rechnung zu tragen durch Überarbeitung der Planung.


Dagegen lehnt der BUND Vorstellungen zum Bau einer Kanurutsche und eines Aussichtspodestes strikt ab. Diese Projektteile stehen den Belangen des Naturschutzes diametral entgegen und sind für Kompromisse nicht verhandelbar. Die Wehranlage sowie die nachgelagerten offenen Kies- und Schotterflächen sind als Lebensräume unter anderem für Wasservögel besonders wertvoll und stehen schon jetzt unter erheblichem Druck durch Freizeitnutzung. Sie würden durch Ankurbelung des Wassertourismus und Schaffung zusätzlicher Aufenthaltsanreize im Uferbereich in ihren Naturschutzfunktionen dauerhaft beeinträchtigt. Nur beispielhaft für eine Reihe weiterer sehr störungsempfindlicher Arten sind Wasseramsel und Eisvogel zu nennen. Als anerkannter Naturschutzverband ist der BUND in dem am Grüner Wehr erforderlichen Wasserrechtsverfahren durch das Regierungspräsidium Gießen zu beteiligen bis hin zur möglichen Wahrnehmung eines Klagerechts bei gravierender Verletzung der Naturschutzbelange.


Mit vorläufiger Erleichterung hat der BUND die Äußerung von Bürgermeister Stötzel zur Kenntnis genommen, wonach auf die Projektteile Kanurutsche und Aussichtspodest ggf. verzichtet werden könne. Unser Verband schlägt vor, dass damit frei werdende Haushaltsmittel umgesteuert werden in dringend gebotene Investitionen zur Stärkung der Radverkehrsmobilität umgesteuert werden. Der BUND begrüßt die in Aussicht gestellte Bürgerbeteiligung mit dem Ziel, die Umbaumaßnahmen am Wehr auf das Unabweisbare zu begrenzen zur Gewährleistung der Stauhaltung für den angrenzenden Gebäudebestand bei gleichzeitiger Herstellung der Durchgängigkeit für die Gewässerfauna.



  • Mitglied werden
  • Online spenden

aus dem Bundesverband

Presse-Archiv

Suche